Mit Le Bleu Secret eröffnet Buchkunst Berlin die Herbstsaison 2026 und widmet der französischen Fotografin Dolorès Marat eine umfangreiche Einzelausstellung. Im Zentrum steht eine Bildwelt, in der sich Alltägliches und Rätselhaftes, Beobachtung und Erinnerung, Wirklichkeit und Imagination immer wieder überlagern. Marats unverwechselbare Fotografien führen durch nächtliche Straßen und Innenräume, begegnen Menschen und Tieren und halten jene flüchtigen Momente fest, in denen Licht, Farbe und Bewegung die sichtbare Realität für einen Augenblick verwandeln. Le Bleu Secret versammelt zentrale Arbeiten aus ihrem Werk und eröffnet einen vertieften Blick auf eine der eigenständigsten Positionen der zeitgenössischen französischen Fotografie.
Die Ausstellung eröffnet am Samstag, den 12. September 2026, parallel zur Berlin Art Week, die vom 9. bis 13. September stattfindet und den Auftakt des Berliner Kunstherbstes bildet.
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Zur Eröffnung
Begleitend zur Ausstellung hat Buchkunst Berlin vorab ein ausführliches Videointerview mit Dolorès Marat aufgezeichnet. Darin spricht die Künstlerin über ihre Fotografien, ihre Arbeitsweise und ihre persönliche Beziehung zu einzelnen Bildern. Das Interview wird im Rahmen der Ausstellung gezeigt.
Zur Eröffnung am 12. September ist darüber hinaus geplant, Dolorès Marat live aus Frankreich zuzuschalten und mit ihr über ausgewählte Arbeiten und deren Entstehung zu sprechen. Besucherinnen und Besucher erhalten damit die Möglichkeit, der Künstlerin und ihrer Sicht auf die Fotografien von Le Bleu Secret unmittelbar zu begegnen.
Dolorès Marat — Le Bleu Secret
Vernissage: Samstag, 12. September 2026, 18–22 Uhr
Während der Vernissage führt Thomas Gust durch die Ausstellung und gibt Einblicke in das Werk von Dolorès Marat.
Ausstellungsdauer: 12. September – 31. Oktober 2026
Finissage: Samstag, 31. Oktober 2026, 14–18 Uhr
Öffnungszeiten: Donnerstag bis Samstag, 14–18 Uhr, sowie nach Vereinbarung
Ort: Buchkunst Berlin Galerie, Oranienburger Straße 27, 10117 Berlin

Der Titel Le Bleu Secret – Das geheime Blau führt unmittelbar in die Bildwelt von Dolorès Marat. Viele ihrer Fotografien entstehen in jenem schwer fassbaren Übergang zwischen Tag und Nacht – in der Dämmerung, bei einsetzendem Abendlicht oder in den frühen Morgenstunden. Es sind Momente, in denen die Wirklichkeit ihre Eindeutigkeit verliert: Vertraute Orte und alltägliche Situationen beginnen fremd, poetisch oder rätselhaft zu erscheinen.
Das Blau im Titel bezeichnet dabei weniger eine konkrete Farbe als einen Zustand. Marats Fotografien bewegen sich zwischen Beobachtung und Erinnerung, Wirklichkeit und Imagination, Nähe und Distanz. Menschen tauchen aus dem Dunkel auf und verschwinden wieder, Tiere werden zu rätselhaften Protagonisten, künstliches Licht verändert Straßen, Innenräume und Körper. Bewegungen hinterlassen Spuren, Konturen lösen sich auf. Was zunächst wie eine beiläufige Alltagsszene erscheint, entwickelt sich zu einem Bild, das an eine Erinnerung, eine Filmszene oder einen Traum denken lässt.

Marat fotografiert intuitiv und schnell. Sie reagiert auf Situationen, die sie unmittelbar berühren, anstatt sie zu inszenieren. Die für ihr Werk charakteristische Bewegungsunschärfe ist dabei kein nachträglich eingesetzter Effekt, sondern häufig die sichtbare Spur dieser spontanen Annäherung an ein Motiv. Ihre Fotografien entstehen aus einem ausgeprägten Gespür für den richtigen Augenblick und einer außergewöhnlichen Sensibilität für Licht, Farbe und Komposition. Gerade aus der Verbindung von Instinkt, Bewegung und Präzision entwickelt sich ihre unverwechselbare fotografische Sprache.
Ein Werk wie La femme Croco, Paris, 2000 verdichtet diese Bildwelt exemplarisch. Eine Frau und ein Krokodil erscheinen in einem von künstlichem Licht bestimmten Innenraum nebeneinander – eine Situation, die gleichzeitig beobachtet und vollkommen unwirklich wirkt. Das Bild besitzt die Geschlossenheit einer Filmszene, ohne eine Handlung vorzugeben. Marat lässt offen, was vor diesem Augenblick geschehen ist und was ihm folgen könnte.

Auch in Arbeiten wie La lune rouge wird ein scheinbar einfaches Motiv in eine beinahe körperlich erfahrbare Erscheinung verwandelt. Farbe ist bei Marat nie lediglich Beschreibung. Sie schafft Atmosphäre, Distanz und emotionale Spannung. In Maryline – l’affiche sous la pluie wiederum erscheint Marilyn Monroe nicht als makellose Ikone, sondern vermittelt durch Plakat, Oberfläche, Wetter und fotografischen Blick – als ein bereits vorhandenes Bild, das sich vor unseren Augen erneut in Erinnerung verwandelt.

Menschen und Tiere, Straßen, Kinos, U-Bahnen, Reisen und nächtliche Stadträume kehren in Marats Werk immer wieder. Figuren erscheinen häufig allein oder für einen kurzen Moment aus ihrer Umgebung herausgelöst. Gerade in dieser Offenheit liegt die Spannung ihrer Fotografien. Sie erklären nicht, sondern geben Hinweise. Aus einzelnen Gesten, Blicken, Farben und räumlichen Konstellationen entstehen Bilder, deren Geschichten erst in der Wahrnehmung der Betrachtenden weitergeschrieben werden.

Eine zentrale Rolle spielt dabei nicht nur die Aufnahme selbst, sondern auch die Materialität des fotografischen Abzugs. Die Begegnung mit dem Fresson-Verfahren wurde bereits in den 1980er-Jahren zu einem Wendepunkt in Marats Werk. Die samtigen Oberflächen und gedämpften Farben des aufwendigen Kohledruckverfahrens prägten lange ihre charakteristische Bildästhetik. Heute entstehen ihre Editionen als hochwertige Pigmentdrucke auf japanischem Papier; die Materialität des Prints bleibt damit ein wesentlicher Bestandteil ihrer künstlerischen Praxis.
Die in Le Bleu secret präsentierten Fotografien sind als Pigmentdrucke auf Awagami AIP Bizan White 300 g/m² ausgeführt. Die Arbeiten haben eine Blattgröße von 32 × 48 cm und erscheinen jeweils in einer Edition von 10. Die ausgestellten Editionen sind über Buchkunst Berlin erhältlich.

Dolorès Marat, 1944 in Paris geboren und heute in der Provence lebend, entwickelte ihre persönliche fotografische Arbeit weitgehend autodidaktisch. Nach Tätigkeiten als Schneiderin, Fotografin in einem Pariser Viertel und Laborassistentin für das Magazin Votre Beauté begann sie im Alter von 39 Jahren unabhängig zu arbeiten. Neben ihrer freien Arbeit fotografierte sie unter anderem für Hermès, J.M. Weston, Leica sowie für französische Zeitungen und Magazine wie Libération, Le Monde und Les Inrockuptibles.
In den vergangenen Jahren hat ihr Werk verstärkt internationale institutionelle Aufmerksamkeit erfahren. 2020 übergab Marat 200 Abzüge ihres Werks an die Médiathèque de l’Architecture et du Patrimoine, die das fotografische Erbe des französischen Staates bewahrt. 2023 widmeten ihr die Rencontres de la Photographie d’Arles die Einzelausstellung Dérèglement chromatique. Im selben Jahr erschien eine Monografie in der traditionsreichen Reihe Photo Poche, und Marat erhielt den erstmals vergebenen Robert Delpire Book Prize. 2024 folgte eine Ausstellung mit mehr als 60 Arbeiten in der Fondation Sozzani in Paris, organisiert vom Fonds de dotation Neuf Cinq – Robert Delpire & Sarah Moon und der Maison Européenne de la Photographie.
Dolorès Marat wird international von der Howard Greenberg Gallery, New York, vertreten. Le Bleu Secret bringt nun eine umfangreiche Auswahl ihrer Arbeiten nach Berlin und gibt einen vertieften Einblick in ihren unverwechselbaren fotografischen Kosmos.
Einen ersten Einblick in diese Werkgruppe präsentierte Buchkunst Berlin bereits im Juni 2026 auf der photo basel. Dort stieß Marats Werk auch auf mediale Aufmerksamkeit: Les Oiseaux de Marseille, 2003 wurde von der Schweizer Zeitschrift annabelle für die kuratierte Auswahl „annabelle’s Choice“ zum Thema „Traumzustände“ ausgewählt. Die Berliner Einzelausstellung führt diese Präsentation nun wesentlich umfassender weiter und eröffnet den Blick auf ein breiteres Spektrum ihres Werks.

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Restaurant & Bar Hummus & Friends
Kunst und Genuss lassen sich bei uns wunderbar verbinden: Unser Partner Hummus & Friends lädt direkt neben der Galerie zu orientalisch-mediterraner Küche und entspannten Momenten vor oder nach dem Ausstellungsbesuch ein.



