Mit Unequal Scenes hat Johnny Miller eine unverwechselbare visuelle Sprache entwickelt, die die Tradition künstlerischer und topografischer Fotografie radikal in die Gegenwart überführt. Es ist ein Atlas unserer globalisierten Gegenwart und zugleich ein Buch über eine neue Form des Sehens.
Erstmals wird dieses international ausgestellte Werk in einer umfassenden Monografie präsentiert.
Die streng vertikalen, topografischen Fotografien lösen Städte und Landschaften aus unserer vertrauten Perspektive und verwandeln sie in radikale Bildräume aus Farbe, Geometrie und Verdichtung. Die Grenzen zwischen Arm und Reich durchschneiden die Landschaft. Was zunächst wie eine autonome Komposition erscheint, erweist sich bei genauerem Hinsehen als präzise Beschreibung unserer Gegenwart – in einer Spannung zwischen formaler Abstraktion und sozialer Lesbarkeit.
Über zehn Jahre hat Johnny Miller Städte und Territorien auf mehreren Kontinenten mit einer Drohne fotografiert. Ausgangspunkt war Südafrika, wo die räumlichen Folgen der Apartheid bis heute in Stadtplanung, Eigentumsverhältnissen und Infrastruktur sichtbar sind. Von dort weitete sich Unequal Scenes auf Metropolen und Landschaften in Afrika, Asien, Nord- und Südamerika aus. In einer Zeit, in der globale Bildströme unseren Blick auf die Welt verändert haben, macht Miller sichtbar, wie soziale und ökonomische Ungleichheit sich als Grenzen, Übergänge und Trennungen in Städte, Landschaften und Territorien einschreibt.
Millers Fotografien besitzen die formale Geschlossenheit autonomer Kunstwerke und sind zugleich von gesellschaftlicher Information durchdrungen. In ihrer Radikalität und seriellen Konsequenz lässt sich eine entfernte Verwandtschaft zu jener fotografischen Präzision erkennen, mit der etwa Michael Wolf urbane Strukturen zu einer eigenen Bildsprache verdichtete.
Gerade darin liegt die außergewöhnliche Kraft dieser Fotografien. Ihre visuelle Präsenz zieht den Blick zunächst in die formale Ordnung der Bilder; erst beim genaueren Sehen werden die politischen, historischen und gesellschaftlichen Verhältnisse lesbar, die sich darin verdichtet haben. Man kann dieses Buch wegen seiner Bilder öffnen – und beginnt unweigerlich, über die Welt nachzudenken, die diese Bilder hervorgebracht hat.
Begleitet wird das Buch von Texten des international renommierten Stadtforschers Edgar Pieterse, des Fotografen, Verlegers und Kurators Thomas Gust sowie von Johnny Miller selbst. So entsteht ein Buch zwischen Kunstwerk und kritischer Kartografie, das die visuelle Wucht eines großen Fotobuchs mit der Präzision einer gesellschaftlichen Untersuchung verbindet. Unequal Scenes reicht damit weit über den Kreis der Fotografie hinaus und ist für Kunst, Architektur, Urbanismus, Design und zeitgenössische Kultur gleichermaßen relevant.
Johnny Miller zeigt uns die Welt, in der wir leben – und doch haben wir sie so noch nie gesehen!






































